Epidemiologie/GW

Nach Kreienbrock, Pigeot und Ahrens befasst sich die Epidemiologie mit der Verteilung von Krankheiten, der Verteilung physiologischer Variablen und den sozialen Krankheitsfolgen in Bevölkerungsgruppen (vgl. 1). Der Krankheitsbegriff (in der Epidemiologie=Morbidität) wird nicht auf ein Individuum, sondern auf eine Bevölkerungsgruppe angewendet (vgl. 1).

Ganz ähnlich definiert Haidinger die Epidemiologie, nämlich als eine Disziplin, die sich mit der Verteilung von Gesundheit und Krankheit in der Bevölkerung und den Einflussfaktoren auf diese Verteilung befasst. Die Epidemiologie will nach Haidinger die Ursache von Krankheiten erforschen (vgl. 2). Nach Haidinger bedient sich die Epidemiologie dabei der Erfassung von Häufigkeiten zu definierten Zeiträumen und in definierten Populationen (vgl. 2).

Kreienbrock et al. entwerfen eine epidemiologische Modellvorstellung, die das Verständis für die der Epidemiologie zugrundeliegenden Annahmen fördern soll. Demnach ist eine Diagnose eindeutig zu bestimmen und eine Person kann als eindeutig krank oder nicht-krank eingestuft werden (vgl. 1).

Krank = Ein positiver diagnostischer Testbefund, Symptom oder eine Infektion

Die interessierenden Endpunkte epidemiologischer Forschungen sind die o.g. positiven diagnostischen Testbefunde, Symptome oder Infektionen (vgl. 1).

Haidinger weist darauf hin, dass epidemiologische Studien erfassen wollen, ob sich Erkrankte und Nicht-Erkrankte Bevökerungsgruppen in spezifischen Merkmalen systematisch unterscheiden. Systematisch bedeutet, dass der Einfluss der „verdächtigen“ Faktoren wiederholbar in der statistischen Auswertung darstellbar ist. Um eine Kausalität nachweisen zu können sind mehrere Stufen im Forschungsprozess zu absolvieren.

Haidinger fordert sinngemäß:

  • Exponierte sollen häufiger Erkranken als Nicht-Exponierte
  • Erkrankte sollen häufiger und intensiver exponiert worden sein als Nicht-Erkrankte
  • Die Krankheit soll nach der Exponition erfolgen
  • Eine Dosis-Wirkung-Beziehung soll nachweisbar sein
  • Tierexperimente sollen eine Ursache-Wirkung-Beziehung nachweisen
  • Die Krankheitsinzidenz soll nach Eliminierung des ursächlichen Faktors zurückgehen
  • Das Erklärungsmodell der Ursache-Wirkungs-Beziehung soll epidemologisch und biologisch sinnvoll sein.

Das Prinzip die unabhängige Variable (= die Exposition) in verschiedenen Abstufungen auf ihre Einwirkung auf die abhängige Variable (= Endpunkte = positive diagnostische Testbefunde, etc.) zu beobachten, enspricht der Logik des Experiments (vgl. 3, S. 30-40). OMTs ist dieses Prinzip von Randomisierten kontrollierten Studien bekannt .

Der Ziel epidemiologischer Forschung ist die Erarbeitung von Präventionsmaßnahmen. Im Gegensatz zu experimenteller Forschung wird die untersuchte Stichprobe nach der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Bevölkerungsgruppe mit einer speziellen Exposition, bzw. Nicht-Exposition gewählt (vgl. 2).

In experimentellen Studien werden die Stichproben aufgrund spezifischer Ein- und Ausschlusskriterien auf individueller Ebene ausgesucht. Die Stichprobe in z.B. RCTs stellt die Subgruppe einer Population dar (vgl. 4, S. 92-93). In epidemiologischen Studien werden Einflussfaktoren untersucht, die auf die Gesundheit der Population einwirken.

Von Nadja Thöner

Verwandte Links:

Definition Versorgungsforschung Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Literaturverzeichnis

(1) Kreienbrock,L,Pigeot, I, Ahrens, W. Epidemiologische Methoden. 5.Auflage. Berlin: Springer Spektrum; 2012. Kreienbrock et al.

(2) Haidinger, G. CME Zertifizierte Fortbildung. Grundlagen der Epidemiologie. Pneumologe. 2016;13:135-149.

(3) Sarris, V,Reiß, S. Kurzer Leitfaden der Experimentalpsychologie.München: Pearson Studium;2005.

(4) Carter, R.E, Lubinsky, J,Domholdt,E. Rehabilitation Research. Principles and Application.St. Louis: Elsevier saunders, 2005.

 

 

GW= Gesundheitswesen