Verhaltens-wissenschaften

In ihrem Buch „Health Behavior and Health Education.  Theory, Research and Practice.“ stellen die Herausgebern Karen Glanz, Barbara Rimer und K. Viswanath  Theorien zum   Gesundheits-verhalten von Individuen vor. Die Theorien beschäftigen wollen die Faktoren die Gesundheitsverhalten bestimmen vorhersagen. Es gibt nicht nur Theorien zum Gesundheitsverhalten Einzelner, auch das Gesundheitsverhalten von Gruppen oder Gemeinden wird untersucht. Weiter interessieren die Forscher wie der soziale Kontext, die Interaktion mehrere Personen das Gesundheitsverhalten von Personen bestimmen kann.

In diesem Artikel soll das individuelle Gesundheitsverhalten betrachtet werden. Es geht dabei um Fragen wie: „Welche Faktoren  unterscheiden  Veränderer von den Nicht-Veränderern? Können Vorhersagen zu dem Verhalten von Personen unter definierten Bedingungen getroffen werden? Kann die Position einer Person auf der Veränderungsskala (sofern man davon ausgeht, dass Veränderung ein Prozess mit einem definierten Anfang und Ende ist) vorhergesagt werden, wenn theoretisch gemachte Annahmen erfüllt sind? In ihrem Buch stellen Glanz, Rimer und Viswanath fünf Theorien und Modelle vor, die sich mit dem Gesundheitsverhalten von Individuen beschäftigen. Diese werden im Folgenden dargestellt.

Literaturverzeichnis

Verhaltensänderung

Individuelle Verhaltensweisen sind wichtige Prädiktoren für das Risiko chronische Erkrankungen zu bekommen (vgl.1). Einige wichtige riskante Verhaltensweisen sind zum Beispiel. Tabak-konsum, Ernährungsweisen, oder Muster körperlicher Aktivität/Inaktivität (vgl. 2).

Kasl und Cobb (vgl. 3) definierten Gesundheitsverhalten dreifach:

  • Offensichtlich gesunde Personen werden aktiv, um Krankheiten zu vermeiden oder chronische erkrankungen in einem frühen, symptomfreien Stadium zu entdecken. Diese Verhalten bezeichnen Kasl und Cobb als präventives Gesundheitsverhalten.
  • Personen, die sich als krank wahrnehmen, werden aktiv, um eine Diagnose und Behandlung zu erhalten. Dieses Verhalten heißt bei Kasl und Cobb Krankheitsverhalten (engl. illness behavior).
  • Eine betroffene Person wird aktiv, um Behandlungen zu koordinieren und von Fachpersonal einzufordern. Dieses verhalten ist assoziiert mit passiven Verhaltensweisen. Die Eigenverantwortung für das eigene Leben wird teilweise auf Fachpersonal oder Verwandte übertragen. Dieses Verhalten beschreibt die Übernahme der Rolle als Kranker (sick-role behavior)

Eine informierte Zustimmung zu der Veränderung gesundheitsschädlichen Verhaltens ist das Ziel von Gesundheitslehrprogrammen. Gesundheitslehrprogramme, bzw. Präventionsprogrammen, wollen riskantes Gesundheitsverhalten reduzieren und gesundheitsförderndes Verhalten fördern. Die Zusammenarbeit aller Beteiligter (Betroffene, Fachpersonal, Krankenkassen, u.a.) wird angestrebt (vgl. 3).

Gesundheitsverhaltenstheorien und -modelle werden entwickelt, um individuelles, gruppenbezogenes oder gemeindebezogenes Gesundheitsverhalten zu verstehen.

Theorien und Modelle helfen Forschern die richtigen Fragen zu stellen und die richtigen Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen von Untersuchungen zu ziehen.

Modelle und Theorien werden verwendet, um herauszufinden welche Faktoren Gesundheitsverhalten von Individuen, Gruppen oder Gemeinden bestimmen.

Dabei werden Konstrukte entwickelt, die helfen sollen die Wirklichkeit in abstrahierter, überschaubarer Weise vereinfacht darzustellen.

Die Zielgruppen von Präventionsprogrammen können nach soziodemographischen (u.a. Bildungsstatus, Wohnort), ethnischen, altersmäßigen oder gesundheitsstatus Kategorien unterschieden werden. Bei der Interpretation oder Implementation von Forschungsergebnissen muss auf die richtige Einordnung der Zielgruppe geachtet werden (vgl. 4).

Davies et al. (vgl. 5) untersuchten in einem sogenannten Scoping Review (2015) mit umfangreicher Suchstrategie  276 Artikel, in diesen Artikel wurden 59 Theorien zum Gesundheitsverhalten von Individuen besprochen. Eine Expertengruppe fand in anderen Quellen 23 weitere Theorien.

Hier folgende fünf  Modelle aus dem Buch von Glanz, Rimer und Viswanath vorgestellt werden.

(Kurzformen bitte anklicken um direkt zu den Beschreibungen zu gelangen)

  1. Das Health Belief Model (HBM) HBM
  2. Die Theory of Planned Action (TRA)/Theory of Planned Behavior (TPB) TRA/TPB
  3. Das Integrated Behavioral Model (IBM) IBM
  4. Das Transtheoretical Model (TTM)/Stages of Change Model (SOC) TTM/SOC
  5. Das Precaution Adoption Process Model (PAPM) PAPM

Davis et al. beschreiben, dass HBM  in neun Artikel genannt wurde, TRA in 36 Artikeln, , IBM in zwei Artikeln, TTM in 91 Artikeln und  PAPM  in einem Artikel genannt wurde (vgl. 5).

Taylor et al. (2007) bemerken, dass TRA und TPB mathematisch feiner ausgearbeitet sind, im Vergleich zu HBM oder TTM. Das fördert eine konsistente Anwendung in Untersuchungen (vgl. 6).

HBM wurde überwiegend in Projekten medizinischer Prävention, z.B. in Impfprojekten, untersucht. TRA und TPB wurden häufig in Untersuchungen zur Förderung körperlicher Aktivität oder der Treue zu Trainingsprogrammen angewendet, sowie in anderen Bereichen. TTM wurde überwiegend in Programmen zur Raucherentwöhnung verwendet, aber auch in Studien zu Trainingsprogrammen oder körperlicher Aktivität (vgl. 6).

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